Ein ungeschriebenes Tagebuch

Nicht nur zur Zeit des Nationalsozialismus und des Stalinismus gab es Konzentrationslager, sondern auch in unserer heutigen Zeit, wie z.B. während des Kosovo Krieges gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Doch auch heute noch wird in Deutschland industrielle Tötung betrieben und dessen Grausamkeit verschwiegen.

Ein ungeschriebenes Tagebuch!

Meine Zeit ist gekommen und ich verlasse nun den Bauch meiner Mutter,
um in diese neue Welt zu treten und sie mit meiner Anwesenheit zu bereichern.
Die Chancen standen bei 1 zu 1 Million, aber ich habe mich durchgesetzt und gesiegt!
Doch keine Sonne, kein Vogel und kein Wohlwollen empfängt mich zu meiner Geburt,
nein im Gegenteil. Es ist kalt.
Erschöpft von dieser schweren Geburt sinkt meine Mutter mit einem grunzen zu Boden.Ihr Gesichtsausdruck verrät keinem was in ihr vorgeht und auch mein Vater wirkt wenig angetan von dem Produkt seines Schaffens.
Ich als kleines rosiges etwas wusel mich im Bette herum und schreie nach Wärme.
Diese Welt erscheint mir im Moment noch Fremd, so halte ich meine Augen geschlossen und warte auf einen neuen Tag. Wohl auf für die Zukunft
Große Zeit später:
Eine große Menge an Zeit ist seit meiner Geburt nun vergangen und meine Lebensgeister beginnen zu erwachen. Ich kann sehen, riechen und schmecken und die Welt scheint sich verändert zu haben. Es ist eng hier in meinem Zuhause. Die kuschelige Wärme von früher ist nun in umklammernde Enge umgeschlagen und bindet mich an diesen grauen Ort. Meine Mama singt mir öfters eine Ode an die Freiheit, an die Tage in der grünen Natur die für sie so viel Glück bedeutet hat von der ich bisher aber keinen Anteil zu spüren bekam. Nach unserer letzten Essensration an diesem Abend schlief ich dicht an die Körper meiner Eltern geschmiegt ein und träumte von einer Existenz weit ab von diesem Orte. Doch meine Träume wurden jäh unsanft zerstört. Sechs riesige Männer mit einem stählernem Gesichtsausdruck betraten unsere Unterkunft mit einem lauten Gebrüll: „Packt euch die da vorne, die anderen kommen später mit!“ Vier der Lackeien schritten in unsere Richtung, direkt auf uns zu. Sie packten meine Mutter und meinen Vater an den Gliedern und zogen sie unter Geschrei aus der Unterkunft heraus und schmissen sie mit aller Brutalität auf einen Transporter. Mit letzter Kraft hastete ich hinter ihnen her, doch wurde ich jäh von einem dieser Lackeien durch einen Fußtritt in den Bauch gestoppt. „Für dich ist’s noch zu früh mein Kleiner“ Lachend stolzierte er von dannen und schloss die rostige Tür, mit einem lauten Knarren, hinter sich zu.
Das Einzige, was ich zu meiner Geburt erhielt, war die Liebe meine Eltern und diese haben sie mir nun genommen. Keine Freiheit, keine Existenz, keine Würde. Warum gerade ich? Die Tage zogen ins Land und mir widerfuhr keine Art von Veränderung in meinem Leben. Alles wollten sie mir nehmen, nur anscheinend das Leben nicht. Ich hatte Glück und ertrug dieses Leid sehr lange ohne daran vollkommen zu Grunde zu gehen. Meine Brüder, die mit mir Litten jedoch, waren von der Situation gezeichnet.
Die Haut hing in Fetzen vom Fleische, welches bereits so stark am verwesen war, dass die Knochen durch die Infektionen freigelegt wurden. Und auch der Kannibalismus war nun bereits allgegenwärtig und machte sich durch den beißenden Gestank der sterblichen Überreste eines Gemeinschaftsmahles bemerkbar.
Ab und zu erhaschte ich einen Blick in die Augen meiner Brüder, welche ihre Stärke verloren hatten und nun nur noch glasig und komatös in den Augenhöhlen wohnten.
Sie hatten bereits resigniert und ihre Gefühle geschluckt. Bittere Tränen floßen nur noch, wenn die Türe aufschlug und die riesigen Kerls in unser faulig süßes Reich eintraten. Sie nahmen einen nach dem anderen mit und schickten im Gegenzug wieder junge Neuankömmlinge zu uns, die noch voller Illusionen und Hoffnungen waren. „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“

Und dann eines Tages war meine Zeit gekommen. Zuerst sprang die knarrende Tür auf und machte den Weg für die riesigen Lakeien frei, welche sich ihren Weg in meine Richtung bahnten. Ich kannte die Prozedur bereits und ließ mich ohne Gegenwehr auf sie ein, um nicht noch schlimmeres zu riskieren. Vor ein paar Wochen noch, da hegte sich reger Widerstand gegen diese Teufelsboten, welcher jedoch mit Fuß und Faust blutig niedergeschlagen wurde. Ich hingegen wollte wenigstens noch in Würde diesen Ort verlassen. Mit einer großen Anzahl meiner Brüder wurde ich auf einen Wagen verladen und eingesperrt, um auf eine lange Reise zu gehen. Es war schlimmer als im Lager zuvor, da nun die große Ungewissheit regierte und sich jegliche nervöse Seele zum Untertan machte, um ein komplettes Chaos in dieser Dunkelheit auszulösen. Ich bekam Angst!

Nach ein paar Stunden holpriger Fahrt schienen wir endgültig am Ziele angekommen zu sein. Mit einem Eisenstab schlugen die Wärter gegen die Außenwand des Laderaums und scheuchten uns heraus auf eine Rampe, welche mit Zäunen umringt war. „Bewegung, Bewegung!!! schrien sie uns an. In einer kleinen Gruppe wurden wir zusammengetrieben und in einer Gondel eingesperrt. Mit einem Ruck setzte sie sich in Bewegung und fuhr in eine tiefe und dunkle Grube. Ich wurde nervös: Wo bringen sie uns hin? Auf einmal fingen meine Brüder an zu japsen und nach Luft zu schnappen.
Sie torkelten ein, zwei Schritte und fielen mit einem Keuchen zu Boden, wo sie dann regungslos liegen blieben. Auch ich bekam keine Luft mehr, mir wurde schummerig und die Bilder vor meinen Augen fingen an zu verschwimmen. Meine Beine zitterten und ich fiel auf meine Knie. Die Gondel in der wir uns befanden war bereits wieder auf dem Weg nach oben und steuerte das Licht an. Wie in Trance lag ich nun am Boden und war fast wie weggetreten. Nur die Umrisse zweier Gestalten konnte ich noch erkennen die die Gondel öffneten und anfingen an meinem Bein zu zerren. Sie hatten ein Seil an meinem Fuß befestigt, welches in mein Bein einschnitt und versuchten mich nun hochkant an einem Haken aufzuhängen. Ich wurde immer nervöser, doch konnte mich nicht gegen diese Vorgänge wehren, da mein Körper fast komplett betäubt und meine Wahrnehmung völlig konfus war. Plötzlich stellte sich einer dieser Männer vor mich. Seine Aura wirkte kalt und sein Ausdruck war voller Gleichgültigkeit und Härte. Er zückte etwas großes, glänzendes aus seiner Tasche. Ein riesiges Messer. Ich wollte noch schreien und um Hilfe betteln, mich wehren mit Händen und Füßen, mein Leben einfordern und um Gnade flehen, doch da stieß er und riss mir meinen Hals auf. Voller Panik zappelte ich, wollte es verhindern, gegen ankämpfen, doch das Leben entsprudelte mir rasend schnell und tauchte den Boden in ein leidenschaftliches Rot. Ich kämpfte einen aussichtslosen Kampf und verlor ihn schließlich. Unrecht geschah mir und doch wird sich niemand an mich Erinnern. Mein Leben und Sterben gerät in Vergessenheit. Doch einmal gelange ich noch an die Öffentlichkeit: Nur jetzt und für kurze Zeit…..im Supermarkt! 1kg Schweinskotelettsfür nur 2€

Lasst es uns schmecken!


Über diesen Eintrag