Der Router – 2. Akt
Moritz Mutter steht am Herd und kocht das Abendessen für ihre Familie. Da der Braten im Ofen noch eine Weile zum garen braucht, klopft sie an der Tür des Sohnes, welcher sich gerade in seinem Zimmer aufhält.
Mutter: Mein Sohn, darf ich eintreten?
Moritz: Nicht jetzt Mutter, ich bin gerade schwer beschäftigt. Komm doch später wieder.
Das Bühnenlicht erhellt sich und lässt Moritz erkennen, wie er vor seinem Computer sitzt und buntes Licht über sein Gesicht flackert. Mit einigem Abstand zu ihm hockt eine rote Figur mit einer Pistole hinter einer Kiste, während eine blaue Person daran vorbei schleicht.
Die rote Figur setzt die Pistole an den Kopf der blauen und erschießt diese.Moritz: Haha, hab ich dich du Noob!
Moritz Mutter ist inzwischen hereingekommen und schlägt ihre Hände bestürzt vor ihr Gesicht.
Mutter: Mein Gott! Was tust du Moritz? Wie kannst du nur solch widerwärtige Ding in unserem Hause tun. Bist du denn des Wahnsinns?
Moritz erhebt sich von seinem Stuhl und tritt langsam vor seine Mutter.
♪Virtual Rhapsody♪ (mit Chor) [Queen – Bohemian rhapsody]
Moritz:
“Is this the real life?
This is just fantasy!
Caught on a display.
No escape from reality.
Open your eyes.
Look up to the skies and see.I’m just a poor boy, I need no sympathy
Because I’m easy come, easy go [Chor]
little high, little low [Chor]
Anyway the wind blows, doesn’t really matter to me. To me.”Mutter:
“Moritz, you just killed a man.
Put a gun against his head.
Pulled the trigger, now he’s dead.
Moritz, your life had just begun
But now you’ve gone and thrown it all away
Moritz, Uh Uh Uh.
Did you mean to make me cry?
I now ask you to stop killing forever!
Don’t carry on, don’t carry on, as if nothing really matters”Moritz nähert sich seiner Mutter, doch diese weicht vor ihrem entfremdeten Sohn zurück.
Moritz: Mutter, du brauchst dich doch gar nicht so aufregen. Das ist doch alles bloß ein Spiel.
Da ist nichts echt, oder ähnliches.Mutter: Doch! Natürlich! Ich kann es kaum fassen. Kaltblütig schießt du einem Menschen in den Kopf. Bereitet dir dies denn keine Sorgen? Sei doch froh, dass du in einem Land aufwächst, welches seit Jahrzehnten keiner Kriegsgewalt mehr ausgesetzt war. Warum spielt man so etwas?
Moritz: Aber Mutter, hier geht es mir doch nicht um das Töten selbst, sondern um die Taktik und das ausgeklügelte Spielverhalten. Und außerdem…
Mutter: Taktik!? TAKTIK!?! Das ist blanker Hohn. Ich verbiete mir solch eine Verharmlosung für diese Gräueltaten. Denk erst einmal über deine Taten nach, bevor du deiner Mutter so frevelhaft widersprichst. Heute bekommst du kein Abendessen!
Moritz: Ja aber…
Mutter: Nichts aber! Ich will kein Wort mehr darüber hören. Wenn dein Vater von der Arbeit wiederkommt, dann werde ich mit ihm über dein Verhalten reden.
Aufgebracht verlässt Moritz Mutter sein Zimmer und schlägt die Tür hinter sich zu. [Abblende des Zimmers] Langsam stellt sich die Mutter wieder vor den Backofen und begutachtet den nun fertigen Braten. Während die Mutter also das Essen fertigstellt, betritt Moritz Vater die Bühne.
Seine Haare sind zerzaust, die Krawatte hängt schief und das Hemd ist auch sehr zerknittert.Vater: Hallo Schatz, ist das Essen denn fertig? Darauf freue ich mich schon den ganzen Tag.
Mutter: Ja wohl Liebling. Ich tische schon mal auf.
Der Vater packt seinen Aktenkoffer bei Seite und setzt sich an den Tisch. Nachdem seine Frau das Essen auf den Tisch gestellt hat beginnt er sich eine Portion aufzufüllen und ohne ein Wort zu verlieren anzufangen.
Mutter: Und Schatz…Wie war die Arbeit?
Vater: Anstrengend. Viel zu tun.
Mutter: Schön…schön schön.
Es vergeht eine Weile in der der Vater das Essen nur so rein schaufelt, seine Frau hingehen eher in ihrer Speise herumstochert und voller Erwartung auf ihren Mann blickt. Ein erdrückendes Schweigen entsteht.
Vater: Mjam! Herrlich dieser Schweinebraten. Dafür liebe ich dich.
Aber nun gut, ich werde mich erstmal von diesem anstrengenden Tag erholen und mich ins Wohnzimmer setzen. Versteht sich doch!Mutter: Tue das Schatz, ich kümmere mich solange um die Küche.
Die Mutter, die ihren Teller nicht einmal annähernd leer gegessen hat erhebt sich ebenfalls von ihrem Stuhl und räumt den Tisch langsam ab. [Langsame verdunklung der Küche / Erhellung des Vordergrundes] Der Vater ist inzwischen in das angeschlossene Wohnzimmer gegangen und hat es sich auf der Couch gemütlich gemacht.
Aus dem Hintergrund ist die Stimme der Mutter zu hören:
Mutter: Ich bringe mal den Müll raus.
Vater: Mach das. Danke!
Mal sehen, was es denn heute wieder nettes im Fernsehen gibt.Da er nun unbeachtet ist schaltet der Vater den Fernseher an und wechselt hektisch auf einen bestimmten Kanal. Rotes Licht erleuchtet das Gesicht des Vaters.
Vater: Jahaha, ihr geilen Biester. Scharf schaut ihr aus. Genau so hab’ ich es gerne.
Aus dem dunklen Hintergrund der Bühne treten zwei Damen in roter Reizwäsche hervor. Mit Peitsche und Handschellen in der Hand nähern sie sich lasziv der Couch des Vaters.
Vater: So ihr geilen Stücke, ihr wollt also spielen. Das alte rein-raus Spiel soll es wohl sein, nicht wahr?
Die beiden Damen stehen nun hinter dem Vater und berühren ihn spielerisch mit ihren Händen am ganzen Körper. Der Vater selbst hat die Augen bereits geschloßen und verfällt komplett der Sinnleichkeit des Treibens.
Mutter: Schatz?
[Wiederbeleuchtung des Hintergrundes] Aus der Küche ertönt die Stimme der Mutter. Die beiden halbnackten Frauen entfliehen auf schnellst mögliche Weise dem Ort des Geschehens, während der Vater schockiert die Augen wiederaufreißt und hektisch den Fernsehkanal wechselt.
Mutter: Schatz? Mir ist gerade noch etwas eingefallen. Und zwar…
Vater: Siehst du denn nicht, dass ich gerade die Nachrichten sehe?!
Aber na gut. Sprich weiter, da kommt gerade eh nur so ein Bericht über diese faulen Hartz VI Empfänger.Mutter: Ja, ähm… Also unser Sohn…
Vater: Was hat er diesmal wieder angestellt? Noch eine schlechte Note in Physik?!?
Das wird eine erhebliche Taschengeldkürzung geben!!Mutter: Nein das ist es nicht. Ich habe heute dabei zugesehen, wie unser Sohn diese Dinge da…diese Computer Spiele gespielt hat. Als ich ihm über die Schulter geschaut habe, da hat er einfach so einem Menschen in den Kopf geschossen und sich darüber gefreut.
Der Vater schlägt seine Hände zusammen.
Vater: Das ist ja Ungeheuerlich!
Mutter: Ja. Und er hat sich auch noch verteidigt und behauptet, dass dies alles nicht so schlimm sei.
Vater: Mein Gott! Wir müssen…ich meine vor allem du musst dich darum kümmern. Ich bin ja nicht so oft zu Hause, deshalb solltest du verstärkt ein Auge auf unseren Sohn werfen.
Stell dir das nur mal vor! Ein zweiter Robert Steinhäuser wächst hier, unter unserem Dach heran. Wenn der Junge durchdreht, dann fällt das bestimmt auf uns zurück.Mutter: Denkst du das wirklich? Wie schrecklich!
Vater: Natürlich! Schauen wir uns doch am besten an, was die Politik dazu zu sagen hat.
♪Gesetzes Clowns♪ [Johann Strauss – Unter Donner und Blitz (00:00 – 00:55]
Zwei Clowns in Anzügen tanzen, unter schallendem Gelächter, von jeweils einer Seite der Bühne in den Mittelpunkt.
Clowns:
[00:14] „Wir verbieten, verbieten jegliches Spiel.
Die Erhaltung der Moral, das ist unser Ziel.
[00:20] Wir wollen keine Mörder mehr sehen.
Weder im Kinderzimmer, noch hier in Deutschland.
Mörder! – Mörder!
[00:30] Ihr sagt es ähnelt sich mit Räuber und Gendarm. Haha!
Das ist uns doch aber völlig scheiß egal, egal, völlig scheiß egal!
[00:43] Ihr sagt wir wärn zu alt und viel zu distanziert, borniert.
Dabei werdet ihr doch letztlich von uns regiert, regiert. Habt ihr das kapiert?!“Die Clowns strahlen ins Publikum und tanzen wieder zu je einer Seite der Bühne fort.
Vater: Na bitte. Bloß keine Experimente! Die da oben wissen nunmal über alles
Bescheid. Wenn wir das so machen, dann kann uns auch keiner für irgendwelche
Folgen belangen.Mutter: Sicher, aber was machen wir denn jetzt mit Moritz.?
Vater: Papperlapap, wir drehen ihm einfach den Saft ab. Damit wird er schon klar kommen.
Es ist ja schließlich zu seinem besten und wir beide sind ja auch früher ohne Internet und Computer ausgekommen.Mutter: Und wie drehen wir ihm den Saft ab?
Vater: Naja, wir bauen einfach dieses Dingens ab. Das Blinkteil im Flur.
Der ähh…der, der Router.
Auf zum Router!Der Vater und die Mutter verschwinden von der Bühne. [Dimmung des Lichts]
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- Veröffentlicht:
- September 15, 2009 / 2:23 pm
- Kategorie:
- Theaterstück
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